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Psychische Deprivation

Werden grundlegende seelische Bedürfnisse gar nicht oder ungenügend befriedigt, entsteht eine sogenannte Psychische Deprivation. Oft wird dieser Zustand bei Kindern beobachtet, die nicht in der Lage sind, eine enge und von intensiven Gefühlen geprägte Beziehung zu wichtigen Mitmenschen wie den Eltern oder später dem Lebenspartner aufzubauen. Kinder im ersten Lebensjahr sind für diese Art der psychischen Entwicklungsstörung besonders anfällig.

Ursachen für eine psychische Deprivation

Die Ursache der psychischen Deprivation bei Kindern liegt im Mangel an Erziehung, vor allem in der mangelnden Gefühlsbindung zwischen Mutter/Vater und dem Kind. Auch ein längerer Krankenhaus- oder Heimaufenthalt kann eine Ursache für die seelische Erkrankung des Kindes sein und auf eine zuvor erlittene Form von Hospitalismus hinweisen. Des Weiteren wird die psychische Deprivation mehrschichtig begriffen. Dabei werden die Bedingungen des Mangels differenziert in:

  • Mangel an der Gesamtstimulation (Menge, Intensität und Art der Reize)
  • Mangel an Gelegenheiten für wirksames Lernen,
  • Mangel an Voraussetzungen für das Aufbauen einer spezifischen Beziehung, ,
  • Mangel an Voraussetzungen für die Aneignung persönlicher sozialer Rollen,

Diagnose der psychischen Deprivation

Ist die Beziehung zwischen Eltern und Kind nicht intakt und mangelt es an Zuwendung, so hinterlässt dies langwierige psychische Schädigungen beim Kind.

Ist die Beziehung zwischen Eltern und Kind nicht intakt und mangelt es an Zuwendung, so hinterlässt dies langwierige psychische Schädigungen beim Kind.

Für die Diagnose von Deprivationsstörungen ist die intensive Zusammenarbeit von Eltern, Pädagogen, Kinder- und Jugendpsyhiatern, Sozialarbeitern und eventuell Neurologen dringend erforderlich, denn diese Störung ist sehr komplex. Der seelische und körperliche Zustand des Kindes, Stärken und Defizite, die Familiensituation sowie die kulturellen, ökonomischen und sozialen Erziehungsmöglichkeiten genau unter die Lupe genommen werden.

Ein Anhaltspunkt für eine psychische Deprivation kann eine Rückstand in der sprachlichen Entwicklung sein, denn Sprache entwickelt sich ausschließlich über die Beziehung. Das Kind benutzt beispielsweise erst sehr spät persönliche Fürwörter, begreift nur zögerlich symbolische Charaktere von graphischen Darstellungen. Dadurch ergeben sich im Schulalltag Defizite beim Lesen und Schreiben. Je rechtzeitiger eine psychische Deprivation erkannt wird, umso größer sind die Chancen, für heiltherapeutische und erzieherische Maßnahmen.

Therapie

Neben Psycho- und Familientherapie gehört die Reaktivierung – das Zuführen von Reizen – sowie das Heillernen zu den therapeutischen Maßnahmen. Für die Korrektur der ungenügenden Befriedigung emotionaler Bedürfnisse ist es notwendig, dass das Kind eine enge Gefühlsbindung zum Therapeuten aufbaut. So baut der Therapeut gemeinsam mit seinem kleinen Patienten eine Brücke zu neune realistischen Beziehungen. Dabei ist die Persönlichkeit des Therapeuten sehr entscheidend.

In früheren Jahren wurde der Heilungserfolg sehr pessimistisch gesehen. Auch heute noch ist die Therapie und Heilung der psychischen Deprivation sehr langwierig. Je früher mit der Behandlung begonnen wid, umso größer stehen die Chancen für eine vollständige Rückbildung der psychischen Deprivation.