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Wolfskinder-Kindliche Entwicklung in Isolation

Tarzan, Mowgli, Romolus und Remus- All diese fiktiven Film- und Geschichtshelden haben eines gemein: Sie alle sind Wolfskinder, aufgezogen von Affen und Wölfen.

,,Reale” Wolfskinder müssen jedoch nicht zwingend von Tieren ,,adoptiert” sein, was der Begriff fälschlicherweise impliziert. Laut Definition versteht man unter ,,Wolfskinder” Kinder, die aufgrund temporärer sozialer (menschlicher) Isolierung, verglichen zu normal aufgewachsenen Kindern, ein verändertes, der jeweiligen Umgebung angepasstes Verhalten aufweisen.
Diese Kinder haben entweder allein oder unter Tieren in der Wildnis gelebt oder wurden von anderen Menschen eingesperrt, isoliert und misshandelt.

Merkmale

Als "Wolfskinder" werden Menschen bezeichnet, die in extremer sozialer Isolation aufgewachsen sind.

Als “Wolfskinder” werden Menschen bezeichnet, die in extremer sozialer Isolation aufgewachsen sind.

Auch wenn die Wolfsinder genetisch gesehen 100% Mensch sind, nehmen sie im Leben in der Wildnis unmenschliche Wesenszüge an.
Diejenigen, die mit Tieren zusammenlebten, verhalten sich genau wie ihre animalischen Gefährten, das heißt:

  • sie laufen auf allen Vieren
  • nehmen deren Essgewohnheiten an (z.B. der Verzehr von rohem Fleisch ohne Benutzung ihrer Hände)
  • ahmen deren Laut- und Gebärdensprache nach
  • sind sehr menschenscheu
  • ihre Hygiene ist sehr mangelhaft
  • aufgrund fehlender Imitationsquelle lernen sie nicht zu sprechen bzw. ältere Wolfskinder vergessen ihre Sprache über die Zeit
  • erstaunliche Temperaturunempfindlichkeit
  • geschärfte Gehör-, Geruchs- und Sehsinne

Auch die in Isolation gefangen gehaltenen Kinder zeigen häufig Probleme beim Gehen und Sprechen.
In seltenen Fällen sind die Kinder fähig, verschiedene Gefühlsregungen zu empfinden bzw. auszudrücken.

Die Wolfskinder befinden sich bei ihrem Fund in einem zurückgebliebenen Entwicklungsstand. Sie befinden sich sowohl geistig als auch körperlich weit hinter Gleichaltrigen. Diesen Rückstand, der durch Vernachlässigung, Reizentzug und Liebesentzug entsteht, nennt man fachsprachlich Hospitalismus. Die schwerste Form dieser Störung ist das sogenannte Kaspar-Hauser-Syndrom. Manche haben das Glück nach ihrer Rückkehr diesen Rückstand aufzuholen, andere jedoch zeigen nur minimale Entwicklungserfolge. Einige der gefundenen Kinder konnten mit der Resozialisierung nicht umgehen und starben.

Beispiele

In der Geschichte sind etwa 50 Fälle von Wolfskindern bekannt, von denen eine Vielzahl aus verschiedenen Gründen angezweifelt wird.

Das wohl ,,populärste” Wolfskind der jüngeren Geschichte, ist das 1970 in ihrem Elternhaus in Los Angeles aufgefundene Mädchen namens Genie. Sie wurde 12 Jahre lang in einem abgedunkelten Raum, gefesselt an einen Klostuhl gefunden. Genie konnte weder aufrecht laufen noch sitzen und konnte nicht ein Wort sprechen. Sie wurde, wie viele Wolfskinder vor, zu einem begehrten Forschungsprojekt und wurde von etlichen Wissenschaftlern untersucht. Genie ist eines der traurigen Fälle, die ihren geistigen Rückstand nie aufholen konnte.

Ein Beispiel für von Tieren aufgezogene Wolfskinder sind die Schwestern Kamala und Amala, die 1920 in Indien in einer Wolfshöhle aufgefunden wurden. Kamala war zu dem Zeitpunkt etwa 7 oder 8 Jahre und ihre Schwester ca. 1,5 Jahre alt. Beide Kinder aßen, schliefen, verhielten und bewegten sich wie Wölfe. Zudem hatten sie einen sehr ausgeprägten Geruchssinn.
Amala starb kurze Zeit nach ihrem Fund, Kamala 8 Jahre später.

Gut dokumentiert ist der Fall des “Wilden Kindes” Victor von Aveyron. Erstmalig gesichtet wurde der zu dem Zeitpunkt 9 Jährige 1797. Eingefangen und zur Taubstummenanstalt in Paris gebracht wurd der Junge 1800. Dort lebte er im Haushalt des Mediziners Jean Itard, welcher ihm über strenge und demoralisierende Erziehungsmethoden ein menschliches Verhalten und das Sprechen beizubringen versuchte. Victor lernte über die Zeit einige Wörter zu sprechen und zu lesen, seine Sinne anzupassen und einfache Arbeiten zu verrichten. Als kein Fortschritt in seiner Entwicklung mehr zu erkennen war, gab Itard auf und Victor lebte bis zu seinem Tod 1828 bei einer Pflegerin.